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Ein­drü­cke von der CMT 2020

Die CMT 2020 hat wie­der ein­mal alle bis­he­ri­gen Rekor­de gebro­chen. — Die CMT hat ihren Sta­tus als welt­weit größ­te Publi­kums­mes­se für Tou­ris­mus und Frei­zeit ein­drucks­voll unter­mau­ert: „Wir freu­en uns über rund 300.000 Besu­cher, die bin­nen neun Tagen unser Mes­se­ge­län­de und die ins­ge­samt 2161 Aus­stel­ler besucht haben. Ein abso­lu­ter Rekord!“, sag­te Roland Blein­roth, Geschäfts­füh­rer der Mes­se Stutt­gart, zum Abschluss der CMT 2020. — aus der CMT Pres­se­mit­tei­lung.

Und das ist schon echt beein­dru­ckend. Die Lust auf Rei­sen, Fern­weh, Frei­heit, Aben­teu­er und Erle­ben ist bei den Men­schen wohl so groß wie noch nie. Bei der CMT 2020 wur­de dies­mal sogar die Hal­le 10 kom­plett für Kas­ten­wa­gen reser­viert. Gera­de die Kas­ten­wa­gen erle­ben in den letz­ten Jah­ren einen noch nie dage­we­se­nen Boom. Jähr­li­che Zuwachs­ra­ten im 2‑stelligen Bereich sind kei­ne Sel­ten­heit. Es soll schon Anbie­ter geben, deren Pro­duk­ti­on für 2020 kom­plett aus­ver­kauft ist. Wer also ab Mit­te der Mes­se einen selbst­kon­fi­gu­rier­ten Wagen bestellt hat, kann sich bei eini­gen Anbie­tern dar­auf ein­stel­len, dass er erst 2021 ein Rei­se­mo­bil bekommt.

Natür­lich haben wir nach Fahr­zeu­gen gesucht, die auch für Roll­stuhl­fah­rer im all­ge­mei­nen und für sol­che mit Rest­geh­fä­hig­keit im beson­de­ren geeig­net sind. Lei­der ist hier die Aus­wahl bei den Volu­men­her­stel­lern sehr dürf­tig.
Wenn man bei Rei­se­mo­bi­len zum Bei­spiel das Augen­merk auf eine brei­te Auf­bau­tür und ein nied­ri­ges Bett legt, muss man schon sehr vie­le Stän­de ablau­fen, damit man über­haupt Fahr­zeu­ge fin­det, die unge­fähr in die­se Rich­tung gehen. Oder es gibt im inne­ren ein nied­ri­ges Bett, aber kei­ne brei­te Auf­bau­tü­re. Auf Nach­fra­ge hört man dann, dass man kei­ne brei­te Türen ver­bau­en wür­de, weil sich dann ja der Grund­riss ändern wür­de.

So haben wir qua­si kein wirk­lich roll­stuhl­taug­li­ches Gefährt auf die­ser Mes­se gefun­den. Wer den Roll­stuhl ver­las­sen kann, soll­te sich aber mal zum Bei­spiel den Fors­ter Van 636 EBV oder den Pössl Road­crui­ser Evo­lu­ti­on genau­er anse­hen.
Im Fors­ter fin­det man trenn­ba­re Längs­bet­ten, in die man bequem ein­stei­gen kann.
Der Pössl Road­crui­ser Evo­lu­ti­on geht noch einen Schritt wei­ter. Hier ist das Bett kom­plett höhen­ver­stell­bar. In der unters­ten Posi­ti­on liegt die Matrat­ze auf einer Höhe von ca. 45cm. Aller­dings han­delt es sich hier um ein Quer­bett.

Der Fors­ter Van 636 EBV bie­tet auf Wunsch getrenn­te ein­zel­bet­ten, wel­che gut erreich­bar sind. sowie ein hel­les und freund­li­ches Mobel­de­sign. Der Zwi­schen­bo­den unter den Bet­ten kann auch her­aus­ge­nom­men wer­den. Lei­der ist der Ein­stieg ins Bad etwas hoch. 

Der Pössl Road­crui­ser Evo­lu­ti­on wur­de auf der Mes­se neu vor­ge­stellt. Er bie­te ein höhen­ver­stell­ba­res Heck­bett und ein prak­ti­sches Raum­bad ohne hohen Schwel­len. 

An den ande­ren Tagen haben wir uns bei den Rei­se­an­bie­tern umge­se­hen. In meh­re­ren Hal­len konn­te man aus einer schier uner­schöpf­li­chen Flut von Rei­se­zie­len wäh­len.

Im Vor­feld der Mes­se hat­te ich Kon­takt mit Julia Mar­mul­la. Sie ist Her­aus­ge­be­rin des Maga­zins “Mei­ne Rei­se­welt: ein­zig­ar­tig — kom­for­ta­bel — bar­rie­re­frei”. Sie hat mir eini­ge Desti­na­tio­nen emp­foh­len, die sich für den bar­rie­re­frei­en Urlaub enga­gie­ren. Also ent­we­der haben wir die fal­schen Fra­gen gestellt oder das Per­so­nal an den Aus­stel­lungs­stän­den hat­te einen schlech­ten Tag. Der sub­jek­ti­ve Ein­druck war, dass sich die meis­ten mit mei­ner Fra­ge nach kon­kre­ten bar­rie­ren­frei­en Ange­bo­ten über­for­dert fühl­ten. Eini­ge konn­ten gar kei­ne Aus­kunft dazu geben. Ande­re ver­wie­sen auf einen Kon­takt beim jewei­li­gen, ört­li­chen Tou­ris­mus­amt. Nur weni­ge hat­ten spe­zi­el­le Pro­spek­te für bar­rie­re­frei­en Urlaub dabei.

Ein wenig erbau­li­ches Bei­spiel auf unse­rer Run­de war der Tou­ris­mus­ver­band “Natur­park Alt­mühl­tal”. Man wis­se zwar, dass auch Roll­stuhl­fah­rer in den Urlaub fah­ren wol­len, aber man hät­te qua­si nicht die Res­sour­cen um ein ent­spre­chen­des Ange­bot zur Ver­fü­gung zu stel­len. Es blei­be den Urlau­bern nichts ande­res übrig, als bei jeder Unter­kunft oder Gast­haus selbst nach den Gege­ben­hei­ten nach­zu­fra­gen. An der Stand­rück­wand wur­de Wer­bung für Fahr­rad­tou­ren durchs Alt­mühl­tal gemacht. Mein Vor­schlag, dass man doch auf die­se Tou­ren­vor­schlä­ge auf­bau­en könn­te, wur­de dan­kend ange­nom­men. Denn wenn man auf geteer­ten Wegen mit dem Rad fah­ren kann, kann man das auch mit dem Roll­stuhl. Jetzt bräuch­te man ja nur noch die Gast­stät­ten und Beher­bungs­be­trie­be ent­lang der Rou­ten nach der Bar­rie­re­frei­heit zu befra­gen bzw. zu prü­fen.

Es gab aber auch vor­bild­li­che Aus­künf­te bzw. Ange­bo­te. Vom Frei­staat Sach­sen gibt es eine schon nahe­zu per­fek­te Bro­schü­re mit allen, bar­rier­frei­en oder ‑armen Ange­bo­ten. Aufs genau­es­te beschrie­ben. Dar­in fin­det man sogar Anga­ben über die Stei­gun­gen von Ram­pen, Tür­brei­ten usw.

Auch am Stand des frän­ki­schen Seen­lan­des hat­te ich ein sehr ange­neh­mes und posi­ti­ves Gespräch. Hier gibt es eine gut leser­li­che Seen­kar­te mit ein­deu­ti­gen Mar­kie­run­gen. Beim Bau und/oder Reno­vie­rung der Tou­ris­ten­in­for­ma­tio­nen an den ein­zel­nen Seen wur­de dar­auf geach­tet, dass man immer eine Roll­stuhl­toi­let­te anbie­ten kann. Auch ein­zel­ne Strand­bä­der bit­ten bar­rie­re­frei­en Bade­spaß für Rol­li­fah­rer an. Am Aus­stel­lungs­stand selbst wur­de sogar dar­auf geach­tet, dass man den Stand ohne Schwel­le befah­ren kann und sogar die Pro­spek­te wur­den in einer für Roll­stuhl­fah­rer beque­men Posi­ti­on aus­ge­stellt. Infos zu Unter­künf­ten gibt es unter https://www.seenland-barrierefrei.de/unterkunft/

Was wir bis dahin auch noch nicht wuss­ten, dass vie­le der soge­nann­ten Baum­wip­fel­pfa­de zu einer Anbie­ter­ver­ei­ni­gung gehö­ren. Die­se ach­ten schon allei­ne wegen der fami­liä­ren Ziel­grup­pe dar­auf, dass es mög­lichst wenig Hin­der­nis­se gibt. Denn ein Kin­der­wa­gen samt Insas­sen will ja auch ger­ne mal auf den obers­ten Punkt einer Aus­sichts­platt­form kom­men. Also ergibt sich dar­aus schon die Not­wen­dig­keit bar­rier­arm zu pla­nen. So sind vie­le die­ser Pfa­de auch für Rol­li­fah­rer geeig­net.

Zum Schluß möch­ten wir noch zwei Star­tups erwäh­nen.

Zelt zu Hau­se von Nina Heyder, Grün­de­rin und Eve­lyn Dietz, Mar­ke­ting, stellt eine Online­platt­form dar, bei der man als Rei­sen­der auf den Pri­vat­grund­stü­cken von freund­li­chen Men­schen sein Zelt auf­stel­len darf.

Evelyn von Zelt zu Hause

Eve­lyn von Zelt zu Hau­se

Auch wer mit dem Wohn­mo­bil unter­wegs ist, soll bei Pri­vat­an­bie­tern im Hof oder auf der Wie­se über­nach­ten kön­nen. Qua­si das Airb­nb fürs Zelt oder das Couch­sur­fing fürs Wohn­mo­bil. Aktu­ell kann man noch nicht nach bar­rie­re­frei­en Ange­bo­ten suchen, aber es ist auf jeden Fall geplant auch für die­se Ziel­grup­pe die Platt­form zu öff­nen.

Bar­rie­re­frei Erle­ben

Ein wei­te­res neu­es Start­up ist “Bar­rie­re­frei Erle­ben”. Hier sol­len Ange­bo­te für die schöns­ten Städ­te und Regio­nen für bar­rie­re­frei­en Urlaub gesam­melt und zur Ver­fü­gung gestellt wer­den. Kari­na von Keitz bie­tet mit “Bar­rie­re­frei Erle­ben” ein Rei­se­ma­ga­zin an, wel­ches “einen bes­se­ren Über­blick über die Viel­falt der Frei­zeit­mög­lich­kei­ten und attrak­ti­ven (..) Rei­se­zie­le” zu erhal­ten. Für die im Maga­zin genann­ten Anbie­ter kann man mit­tels bei­lie­gen­der Post­kar­te kos­ten­lo­se Info­ma­te­ri­al bestel­len. Wei­te­re Infor­ma­tio­nen gibt es auch unter www.barrierefreierleben.de