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Im Mai haben wir uns rela­tiv spon­tan dazu ent­schlos­sen, den schon län­ger ins Auge gefass­ten Cam­ping­platz “Cam­pingre­sort All­weg­le­hen” bei Berch­tes­ga­den anzu­fah­ren und zu sehen, wie roll­stuhl­kom­pa­ti­bel der Platz ist. Neben­bei woll­ten wir wie­der die Roß­feld­pan­ora­ma­stra­ße befah­ren und dies­mal oben über­nach­ten und uns das Kehl­stein­haus anse­hen.

Unse­re Tour führ­te uns (fast) kom­plett auf der Land­stras­se von Regens­burg nach Berch­tes­ga­den. Nur das kur­ze Stück von Regens­burg nach Strau­bing haben wir auf der Auto­bahn zurück­ge­legt. Bei der Aus­fahrt Strau­bing ging es auf die B20, die bis nach Berch­tes­ga­den und in der Ver­län­ge­rung direkt an den Königs­see führt.

Unse­re Sta­tio­nen:

  • Burg­hau­sen mit der längs­ten Burg­an­la­ge der Welt
  • Cam­pingre­sort All­weg­le­hen

1. Ers­ter Halt: Burg­hau­sen (naja fast 🙂 )

Die Fahrt über die B20 kann man ent­spannt ver­brin­gen oder auch in Eile. Es sind unter der Woche vie­le LKWs unter­wegs, die einen zur Lang­sam­keit “zwin­gen”. Da wir aber auf Rei­sen sind, sehen wir das alles sehr ent­spannt und kön­nen so auch die teil­wei­se sehr schö­ne Gegend genie­ßen.
Als wir gera­de dar­über spra­chen, eine klei­ne Pau­se zu machen, stan­den wir auch schon im Stau. An einer Bau­stel­le mit­ten in der nie­der­baye­ri­schen Pam­pa, gab es einen klei­nen Unfall und der Ver­kehr kam zum erlie­gen. Trotz beeng­ter Ver­hält­nis­se kam der Ret­tungs­wa­gen gut in der schma­len Ret­tungs­gas­se vor­an. Direkt hin­ter uns hat die Feu­er­wehr dann die Stra­ße abge­sperrt und den nach­fol­gen­den Ver­kehr über einen geteer­ten Feld­weg abge­lei­tet. Da wir uns weder nach vor­ne oder hin­ten bewe­gen konn­ten, nutz­ten wir die Zwangs­pau­se zur Ent­span­nung und unser Hund auf der angren­zen­den Wie­se zur Mäu­se­su­che und zum Füße ver­tre­ten. 
Nach­dem der Ver­kehr auf der Gegen­fahr­bahn abge­flos­sen war, konn­ten wir wen­den und eben­falls die Umlei­tung fah­ren. Dan­ke an die­ser Stel­le an die Ret­tungs­kräf­te!

Blick von der Burg auf Burg­hau­sen

Kur­ze Zeit spä­ter kamen wir dann in Burg­hau­sen an. Der Weg zur Burg ist gut aus­ge­schil­dert und führt direkt zu einem PKW-Park­platz mit drei Behin­der­ten­park­plät­zen. Unser 6 Meter lan­ger Kas­ten­wa­gen pass­te dort natür­lich nicht hin, also haben wir uns eine ande­re pas­sen­de Lücke gesucht. 

Bekannt ist Burg­hau­sen wegen sei­ner Burg­an­la­ge. “Die Burg zu Burg­hau­sen ober­halb der Alt­stadt der gleich­na­mi­gen Stadt ist mit 1051 Metern die längs­te Burg­an­la­ge Euro­pas und gilt seit einem Ein­trag im Guin­ness-Buch der Rekor­de als „längs­te Burg der Welt“. Sie besteht aus sechs Burg­hö­fen und ist bis auf weni­ge Aus­nah­men aus Tuff­qua­der­stei­nen (Tra­ver­tin) errich­tet. Ein gro­ßer Teil der Bau­ten und der Cha­rak­ter der Gesamt­an­la­ge stam­men aus der Zeit als Resi­denz und Lan­des­fes­tung der nie­der­baye­ri­schen Linie der Wit­tels­ba­cher, vor allem aus den Jah­ren um 1480 bis 1503.” (Quel­le: Wiki­pe­dia
Die Anla­ge ist sehr impo­sant und sehr gut erhal­ten. Man bekommt schnell ein Gefühl für die dama­li­ge Lebens­wei­se und fühlt sich zurück­ver­setzt in die Ver­gan­gen­heit.

In einem der Innen­hö­fe gibt es ein klei­nes Café, wo man sich stär­ken kann. Ein paar Meter wei­ter gibt es noch einen klei­nen Kiosk und dane­ben öffent­li­che Toi­let­ten. Eine davon ist sogar spe­zi­ell für Roll­stuhl­fah­rer, die mit dem EURO-Schlüs­sel geöff­net wer­den kann.

Man über­quert drei Brü­cken in der Anla­ge und befin­det sich dann inner­halb der Haupt­burg. Dort liegt augen­schein­lich noch der Ori­gi­nal­be­lag aus unför­mi­gen Stei­nen. Aber man hat bestimm­te Wege abge­flacht, so daß sie gut mit Roll­stuhl befahr­bar sind. In der Burg befin­den sich ein Muse­um und Ver­an­stal­tungs­räu­me. Die­se sind bar­rie­re­frei erreich­bar. Wie es aller­dings innen aus­sieht haben wir nicht aus­pro­biert.

Der Burg­hof ist vom 01. April bis 30. Sep­tem­ber von 8.30 Uhr bis 18.00 Uhr geöff­net. Vom 01. Okto­ber bis 30. März von 8.30 Uhr bis 16.30 Uhr. Dort kann man einen Blick in die Schatz­kam­mer und in einen Gewöl­be­raum wer­fen. Sehr impo­sant.

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2. Ankunft am Ziel: Cam­pingre­sort All­weg­le­hen.

In Berch­tes­ga­den folgt man der B305 Rich­tung Salz­burg, Markt­schel­len­berg und fährt am Salz­bergwerg vor­bei. Man ver­läßt die Ort­schaft und kurz dar­auf sieht man schon die Aus­schil­de­rung zum Cam­ping­platz.

Jetzt braucht man gleich gute Ner­ven oder befolgt die Anwei­sung des etwas ver­wit­ter­ten Stra­ßen­schil­des: “Ers­ten Gang ein­le­gen!”. Denn die Anfahrt auf den Platz hat es echt in sich. Es gibt zwei wirk­lich stei­le Weg­ab­schnit­te, die dem Getrie­be alles abver­lan­gen — einen davon mit ser­pen­ti­nen­ar­ti­ger Kur­ve. Oben ange­kom­men fin­det man sich direkt vor der Rezep­ti­on wie­der. Es emp­fiehlt sich, nicht direkt vor der Rezep­ti­on anzu­hal­ten, son­dern etwas in den Platz hin­ein zufah­ren: 1. Steht man nicht direkt am Abgrund und 2. ver­sperrt man an- oder abrei­sen­den Gäs­ten nicht den Weg.

Die Anmel­dung ver­läuft rei­bungs­los und sehr freund­lich. Es wird alles erklärt und man bekommt die Berch­tes­ga­de­ner Gäs­te­kar­te, mit der man aller­hand Ermä­ßi­gun­gen bei Sehens­wür­dig­kei­ten bekommt. Die Bus­se kann man größ­ten­teils sogar kos­ten­los nut­zen. Ehr­li­cher­wei­se muss man aber sagen, dass man den Weg mit Roll­stuhl vom Cam­ping­platz an die nächs­te Bus­hal­te­stel­le als durch­aus Kami­ka­ze bezeich­nen kann. Wer ohne Begleit­per­son unter­wegs ist, kann sich auf eine span­nen­de Abfahrt gefaßt machen und braucht anschlie­ßend neue Brems­hand­schu­he. Wer mit Begleit­per­son reist: Mein Mit­ge­fühl gilt eben die­ser 🙂

Am Platz gibt es alles was man als Cam­per braucht — nicht umsonst ist der Platz in der Pre­mi­um­klas­se geführt. Aller­dings kön­nen wir den Platz für Roll­stuhl­fah­rer nur bedingt emp­feh­len. Der Platz ist ter­ras­sen­för­mig ange­legt und ent­spre­chend gibt es mehr oder weni­ger stei­le Wege. Teil­wei­se mit Ris­sen und Löchern in der geteer­ten Decke, die an man­chen Stel­len zum Hin­der­nis­par­cour ein­la­den. Also die Begleit­per­son nicht ver­ges­sen. Wir stan­den ober­halb des neu­en Sani­tär-Sau­na­be­rei­ches und der Platz da oben war mit fes­ten Schot­ter “aus­ge­legt”. Die Par­zel­len sind mit neu­er und somit noch nicht so dich­ter Bepflan­zung von­ein­an­der abge­trennt.

Das dor­ti­ge Sani­tär­haus ist 2017 neu erbaut wor­den und hat den frü­he­ren Pool an die­ser Stel­le ersetzt. Eben­so fin­det man dort einen Sau­na­be­reich, einen neu­en Swim­ming­pool, Aus­sen­spül­be­cken und die Duschen. Eben­so Wasch­ma­schi­nen und Trock­ner.

Ein “bar­rie­re­frei­es” Bad gibt es auch, wel­ches man sich mit Wickel­kin­dern teilt.

 

Kei­ne Hal­te­grif­fe neben der Toi­let­te. Der Griff an der Wand ist zu weit weg. An der Toi­let­te gibt es kei­nen Not­fall­schal­ter.

 

Der Spie­gel ist abklapp­bar. Das Wasch­be­cken nur bedingt unter­fahr­bar. In unse­rem Fall hät­ten wir uns die Knie gesto­ßen. Die Arma­tur hat einen Sen­sor für das Was­ser und einen klei­nen Tem­pe­ra­tur­reg­ler an der Sei­te. Es gibt kei­nen Sei­fen­spen­der zum Hän­de­wa­schen. In den Toi­let­ten für die Fuß­gän­ger ist die­ser vor­han­den. Nur ein klei­ner Eimer neben der Türe ist­vor­han­den, in dem die Win­deln der Kin­der und ggf. Hygie­ne­ar­ti­kel von Behin­der­ten lan­den, sowie die Papier­hand­tü­cher zum abtrock­nen. Der Papier­hand­tuchs­pen­der ist an der Wand neben der Türe ange­bracht — ca. 1.5 Meter neben dem Wasch­be­cken. 

Die Dusche: Fest­hal­te­mög­li­che­keit vor­han­den, wenn man aber den Sitz benutzt ist das Not­fall­seil nicht mehr erreich­bar. Kei­ne Abla­ge­mög­lich­keit für Duschu­ten­si­li­en. Im Sit­zen sind die Arma­tu­ren nur schwer erreich­bar. Wir hät­ten uns noch Hal­te­stan­den an der Wand der Dusch­ar­ma­tur gewünscht. Es gibt kei­nen Spritz­was­ser­schutz. Wer also allei­ne zum Duschen fährt und den Roll­stuhl neben der Dusche wegen Umset­zen abstellt, bekommt die­sen gleich mit­ge­wa­schen.

Trotz Kri­tik zum obe­ren Rol­li-Bad: Alle Sani­tär­räu­me wir­ken anspre­chend gestal­tet und mach­ten jeder­zeit einen sau­be­ren Ein­druck. Es gibt Fuß­bo­den­hei­zung (lt. Betrei­ber­web­sei­te) und Radio­be­schal­lung, so dass man auch beim Geschäft stets über das Welt­ge­sche­hen infor­miert bleibt 🙂

Es gibt am Platz ein Restau­rant, wel­ches gut­bür­ger­li­che Küche bie­tet. Es gibt eine wech­seln­de Tages­kar­te und regio­na­le Spe­zia­li­tä­ten. Bei den Haupt­ge­rich­ten ist ein Salat von der “Salat­bar” inklu­diert und man kann sich die­sen selbst zusam­men­stel­len. Begleit­per­son nicht ver­ges­sen, als Rol­li­fah­rer kommt man an die Zuta­ten der Salat­bar nicht her­an.

Es gibt auch einen vegetarisch/veganen Spei­se­kar­ten­teil. Wir hat­ten die Käse­spätz­le (vege­ta­risch) und die vega­ne Cous­cous-Gemü­se­pfan­ne. Es hat geschmeckt, aber unse­rem per­sön­li­chem Geschmack fol­gend, hät­te es etwas def­ti­ger gewürzt sein kön­nen. Nach dem Haupt­gang gab es eine beschwips­te Maril­le und einen Him­beer­geist. Bei­des war sehr lecker. 

Die Bedie­nun­gen waren äußerst freund­lich und zuvor­kom­mend. Hier kann man sich nicht beschwe­ren. Über­haupt ist das Per­so­nal über­all freund­lich gewe­sen und hat auch stets gegrüßt. Das fin­det man auch nicht über­all. 

Fazit zum Cam­ping­platz aus Roll­stuhl­fah­rer­sicht: Grund­sätz­lich ist alles da, was man braucht. Aber es gibt hier noch Poten­ti­al. Für Fuß­gän­ger und Wan­de­rer liegt der Platz jedoch per­fekt, ist wirk­lich gut aus­ge­stat­tet und läßt so gut wie kei­ne Wün­sche offen. 

Ach­ja: Für 50 EUR am Tag, kann man einen Elek­tro Smart for­four aus­lei­hen. Das macht echt Spaß. 

 

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